Nach der Abstimmung zum SWR Wunschkrimi im Oktober 2009 war ich einer von drei glücklichen Hörern, die einen Besuch im SWR-Studio in Baden-Baden gewonnen hatten. Für mich als Hörspielfan war dieser Tag ein abso-lutes Highlight. Deshalb an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Danke-schön für die Einladung und den freundlichen Empfang!
Damit auch alle anderen Hörspielinteressierten einmal hinter die Kulissen blicken können, habe ich hier quasi alles virtuell festgehalten.
Am 26. Januar 2010 durfte ich tatsächlich bei Aufnahmen zum ARD Radio Tatort "Finkbeiners Geburtstag" dabei sein. Vorab hatte mir der SWR schon das komplette Manuskript zum einlesen zugeschickt. Hier ein kleiner Einblick wie so ein Manuskript aussieht. Darin steht nicht nur was die Darsteller sprechen sollen, sondern auch was gerade passiert, welche Geräusche dazu kommen und in welcher Stimmung oder Gemütszustand der Text zu sprechen ist. Das Ganze sieht auf den ersten Blick wesentlich leichter aus als es tatsächlich ist. Hut ab vor allen Sprechern - da steckt wirklich sehr viel Arbeit dahinter!
Aber nicht nur die Sprecher sind mit vollem Einsatz bei der Arbeit. Ein gan-zer Stab an Leuten ist mit der Organisation, Aufnahme, Bearbeitung und Produktion beschäftigt. Etwa ein bis zwei Monate dauert es, bis ein Hörspiel komplett fertig ist. So sieht dabei der Ablaufplan für einen einzigen Aufnah-metag aus.
Während der Aufnahmen durften wir ganz ruhig hinten im Regieraum sitzen. Von dort haben der Tontechniker, der Cutter, der Regisseur und die Regieassistenz über eine Scheibe Blickkontakt mit den Sprechern in allen drei Studios. Während den Aufzeichnungen sind alle in der Regie voll auf die Sprecher konzentriert. Jedes noch so minimale Störgeräusch wird sofort erkannt. Nach
jedem Take wird in der Regie beraten ob alles in Ordnung war. Stellt der Tontechniker Störgeräu-sche, Verzerrungen, etc. fest, oder haben dem Regiesseur einzelne Passagen nicht gefallen, so werden die einzelnen Takes gleich nochmal ein-gesprochen - nach neuer Regieanweisung. Im Bild links ist das Studio mit den Mikrofonen zu sehen. Immer mit Blickkontakt in den Regieraum.
Die Wände im Studio sind alle mit Stoff verklei-det, damit kein Widerhall oder Echo entstehen kann. Man nennt diesen Raum deshalb auch schalltot. Darin ist es wirklich so leise, dass man den eigenen Herzschlag hören kann. Das ist deshalb so wichtig, da verschiedene Halleffekte erst im Nachhinein per Computer hinzugefügt werden. Damit später also alles perfekt klingt,
müssen die einzelnen Passagen ohne jegliche Störgeräusche eingesprochen werden. Manch-mal werden die Geräusche aber auch tatsächlich live erzeugt. Dafür gibt es in diesem Studio (wie auf dem Bild links zu sehen) zum Beispiel eine Treppe, ein großes Waschbecken, eine Telefon-zelle oder auch eine mobile Tür zum zuknallen. Hinter mir befindet sich übrigens noch eine Tür.
Diesmal eine richtige Tür. Da gehts in eine Art Bad mit Dusche. Dort können dann Szenen aufgenommen wer-den die im Bad spielen und daher eine bestimmte Aku-stik benötigen. Auf den Bildern oben und rechts kann man einen Kiesweg sehen. Soll es einmal nicht nach Schritten im Kies, sondern nach Schritten im Schnee klingen, wird einfach eine Decke über den Kies gelegt. Verblüffend echte Geräusche wie im Wind raschelndes Herbstlaub bekommt man ganz einfach indem man alte verknäulte Tonbänder in den Händen reibt oder drückt. Wenn man dann noch kleine Ästchen untermischt, die
beim drücken brechen, klingt es wie Schritte im Herbstlaub. Des Weiteren befindet sich im Schalltoten Raum ein Sandkasten mit dem sich beispiels-weise Schritte im Sand erzeugen lassen. Interessante Tipps in Sachen Ge-räusche erzeugen findet man übrigens auch hier.
Ich hoffe ich konnte Euch hiermit einen kleinen Einblick in die Welt der Hör-spielmacher verschaffen. Mir persönlich hat es ganz viel Spaß gemacht und ich fand den Tag in Studio 2 des Friedrich-Bischoff-Studios in Baden-Baden sehr interessant.